Dorfchronik zur 850 Jahr Feier – Teil 2

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Text Karla Schmitz

Teil 2

Ursprung des Dorfes Elte ist die geschichtstiefe Welt der Bauern. Es mag etwa Mitte des 5. Jahrhunderts gewesen sein, als aus östlichen Gebieten Volksstämme in das noch unwirtliche Gebiet des heutigen Münsterlandes drängten. Im Gebiet von Elte waren es die Sanduferhöhen der Ems und des Mühlenbaches, die erste bescheidene Anbauflächen für genügsame Getreidesorten wie Hafer und Roggen zuließen. Die Heide- und Walddriften und insbesondere die grünwüchsigen  Auenränder der beiden o.g. Wasserläufe erlaubten, die bereits geübte Weidewirtschaft zu erweitern. Der Pflug und das feste Haus wurden erste Symbole einer beginnenden seßhaften Siedlung.

Die Gehöfte entwickelten sich an der Eschflur, meistens am Terrassenrand zwischen Ackerhöhe und Auenniederung. Diese Zwischenlage der alt gesiedelten Höfe veränderte sich kaum und ist im Dorf und der Bauerschaft Brelage heute noch gut ablesbar. Beispiele sind u.a. die Höfe der jetzigen Besitzer Glasmeyer, Schulte-Walter, Terbeck, Sommer und Upmeyer . Bodenfunde in den drei ursprünglichen Bauerschaften Elte, Heine und Brelage untermauern diese in der Jungsteinzeit aufkeimende Besiedlung und Verwandlung der Naturlandschaft in eine bäuerliche Kulturlandschaft.
Das beginnende Mittelalter mit seinen schriftlichen Quellen ermöglicht erstmals den Zugang zu den Namen der drei Bauerschaften und der altgesiedelten Höfe.
1281 wird in einer Urkunde die Bauerschaft Heine als Hone bezeichnet
1373 verkauft Hinrich von Münster, Knappe, dem edlen man, hern Balduin, heren von

Steynvorde, den „Hoef to Elte“ mit zubehör als ein vry dorslachtig eghen (freies
Eigentum)
1373 taucht der Name „Anesthorp“ (Gänsedorf), später Brelage, auf

1469 werden in einer Markenrolle des bischöflichen Amtmannes von Falkenhof die im Elter

Brook markenberechtigten Bauernhöfe aufgeführt, z.B. De Richter hoff – heute Pohlmeyer,

Lambertinck – heute Lammerting
Tigmann – heute Thiemann und Haneke Hinrekinck – heute Terbeck

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war die Bevölkerung insgesamt angewachsen, der Dreißigjährige Krieg hatte nur vorübergehend für Stagnation gesorgt. Junge Bauernsöhne suchten eifrig Gelegenheiten zum Neusiedeln. Das Recht der Markengenossenschaften wurde durchbrochen, und siedlungswillige Kötter und Brinkbesitzer in den Marken zugelassen. In Elte siedelten sie besonders an der Kante der bestehenden Felder. Noch heute heißt eine damals entstandene Bauerschaft „Feldkante“. Besondere Anziehungskraft besaß auch der jetzige Dorfkern. Der Grund lag in dem Vorhandensein einer Kapelle. Es entstand eine weitere Schicht kleinerer Bauern, die Heuerlinge, auch „Hüerlüde“ genannt. Sie waren Pachtkötter der größeren Höfe und wohnten unmittelbar im Bereich oder in Rufweite. Kötter- und einige Heuerhäuser verdichteten sichtbar das Dorf.

Viele Brinkbesitzer und Heuerleute übten sich in einem ländlich notwendigen Handwerk. Neben dem Wirtshaus an der Kirche, dem heutigen Splenterkotten, entstanden erste Ansätze dörflichen Handwerks in Blickweite der Kirche.
Ungefähr in diese Zeit fällt die Eröffnung der ersten Kolonialwarenhandlung und Bäckerei des Dorfes auf dem Kotten Lücke, später Pröbsting, heute Greiwing. Zeitweilig war in diesem Kotten auch eine Wirtschaft eingerichtet.
Das Einwohnerverzeichnis der Kirchspiele und Bauernschaften im Amt Rheine von 1790 zählt in Elte 32 Heuerhäuser. Nach einer gleichzeitig erstmals erstellten Liste wurden 48 Hausnummern zugeordnet.

Bei der Erstellung der ersten Karten im Jahre 1828 waren noch 70 Prozent (ca. 26 km²) der Flächen von Elte Markenland (Allmende). Bei diesen Flächen handelte es sich um Ödland, Wald und Weideland. Sie wurden von den Bauern gemeinsam genutzt. Berechtigt an einer Mark waren alle Erstsiedler, die „Erben“. Ihnen folgten die Kötter, zuerst die Erbkötter, dann die Markenkötter. Je nach Beschaffenheit der Mark durfte der Berechtigte entsprechend seiner Anteile die Mark nutzen: Heideflächen dienten den Schafen als Futterquelle, in die Wälder wurden Schweine zur Eichelmast getrieben. Hier sammelten die Bauern auch ihr Brennholz, der Abstich von Plaggen half, die Qualität des Ackerlandes zu verbessern. Verstöße gegen die Markenordnung verhandelten die Marken- oder Holzgerichte. Jede Mark hatte einen eigenes Gericht, dessen Vorsitzender der größte Hofbesitzer war. In Elte war das der Richterhof.
Im frühen 19. Jahrhundert, zwischen 1838 bis 1846, gingen die kollektiv genutzten Flächen in das Privateigentum der früheren Markgenossen über. Die Elter Markenteilung erfolgte in drei Schritten. Verhandlungen für die dritte und letzte Teilung fanden im Hause Abeler (heute Splenterkotten) statt. Hier bezeichnete Kommissar Ebmeyer/Burgsteinfurt in seinem Vorschlag den Elter Boden als sehr minderwertig mit einem Höchsttaxwert von 2 Reichstalern pro Morgen. Eltes Landschaft hatte sich durch die übermäßige Nutzung der Marken verändert. Es waren großflächige Strauchheiden entstanden. Auch die verstärkte Siedlung im Elter Brook hinterließ tiefe Spuren. Anfang des Jahrhunderts reichte der Blick über Kahlheiden mit Wacholder und Krüppelbirken bis zum Horizont. Nach einer Überlieferung konnte man vom Steinkamp aus den Turm der Saerbecker Kirche sehen.
Nach der Markenteilung wurde neben stetiger Kultivierung auch großflächige Aufforstung mit Kiefern betrieben.

In einer Statistik des Amtes Rheine vom 1. Juli 1914 zählte das Dorf Elte einschließlich der Bauerschaften 52 landwirtschaftliche Betriebe. Hierzu gehörten die Dampfdrescherei Pohlmeyer, die Schankwirtschaften Günnewig (Splenterkotten) und Eßmann (Eggert), die Bäckerei Pröbsting, der Schmied Wennemer, der Schneider Schräder und die Müllerei Homann.
1920 erhielt das Dorf den ersten Strom, der noch bis 1935 von der Mühle Pohlmeyer geliefert wurde. Anschließend übernahm die VEW die Stromversorgung.

Quellen: Rheine Gestern, Heute Morgen 2/80,  Geschichte meines Heimatortes Elte v. B.Teigelkamp

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